Stift Fischbeck

Was Damen in mehr als 1000 Jahren schufen

In dem hübschen Kreuzgang wandeln die Stiftsdamen. Da wird auch gern ein Bewerbungsgespräch für neue geführt. Es werden immer welche gesucht. Früher waren es meist zwölf Damen, geleitet von einer Äbtissin. Heute schwankt die Zahl. Gerade sind es neun. Doch das Erstaunliche: Seit mehr als 1065 Jahren besteht diese Frauengemeinschaft.

Das Stift Fischbeck ist eines der ältesten Damenstifte weit und breit. 955 gründete es die Edelfrau Helmburgis, es war gedacht für Damen aus dem Adel. Das mitgebrachte Geld sowie Wege- und Mühlrechte sicherten den Wohlstand. Der berühmte Wandteppich von 1583 ist sozusagen das Aushängeschild.

Kaiser: „Aber der ist doch viel zu groß“

Sechs runde Elemente im Teppich erzählen von der Gründungslegende. Auf den Führungen, die die Stiftsdamen anbieten, wird darüber ausgiebig erzählt. Außerdem ist in der Stiftskirche so einiges über Kaiser Wilhelm II. zu hören. Er gab großzügig Geld aus seiner Privatschatulle für die Sanierung im Jahr 1904.

Dabei wurde unter die Decke auch ein großer Reichsadler gemalt. Als der Kaiser den später sah, sagte er erstaunt: „Aber der ist doch viel zu groß!“

Und dann diese Gärten …

Neben der Stiftskirche stehen noch einige der historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Wer Glück hat, kann sich dort in einer Ferienwohnung einmieten. Die ursprüngliche Abtei aber wurde abgerissen. Da stehen heute die Wohnungen der Stiftsdamen und der Äbtissin.

Das historische Ensemble mit Torhaus, Kirche und Gärten ist aber noch höchst lebendig. Gerade der Abteigarten ist ein grüner Ruhepol. Der Kräutergarten wurde nach alten Mustern neu angelegt.

Eine tausendjährige Eibe steht dort und zeugt von einer langen Zeitreise vom Beginn des Damenstifts bis heute. Mal schauen, ob im Kalender ein Konzert im Garten steht. Das wäre doch etwas! Das ist ein besonderer Genuss aus historischer Kulisse, duftenden Blumen, summenden Bienen und einem beruhigenden Grün rundum – dazu die weichen Klänge der Musik.

Aber auch drinnen sind Konzerte ein Höhepunkt im Kalender. Berühmt sind die Orgelkonzerte im Sommer, Herbst und Advent, zu denen bekannte Musikerinnen und Musiker in die Tasten greifen.

Was die Welt im Innern zusammenhält

Es sind die aktiven Stiftsdamen, denen das alles zu verdanken ist. Sie lieben die Einfachheit, die Nähe zu Gott und der Gartenwelt sowie dem historischen Erbe. Aber was wäre das alles ohne den Gast? Nur durch die Außenwelt wird die Innenwelt am Leben erhalten. Und es ist so einfach wie wohltuend, mit den Stiftsdamen darüber ins Gespräch zu kommen.

Die Welt lässt sich immer von so vielen Seiten aus anschauen. Sich eine andere als die eigene anzusehen, kann im Stift Fischbeck zum Genuss werden.

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